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Zur Theorie einer motorischen Testung

 

Essay von Bruno Neidhart:

 

Die Beschäftigung mit dem Ziel, feinmotorische Störungen beurteilen zu können, beginnt bei der Differenzierung verschiedener Beurteilungskriterien.
Jedes einzelne Kriterium hat dabei einen Wert an sich, die Zusammenführung sämtlicher ist anzustreben.
Zwei Faktoren sind grundsätzlich zu klären:
1. Welches sind die primären Faktoren, die ein Störungsbild bestimmen

 

2. In welcher Weise können sekundäre Faktoren mitbestimmend sein.

Um was geht es: Als "primär" ist ein Erscheinungsbild zu bezeichnen,
das sich anhand messbarer Daten objektivieren lässt.
So zum Beispiel die Innervation - oder Nicht-Innervation - eines Muskels,
der Zustand der sensiblen Funktionen, die handlungsbegleitenden Phänomene,
wie Apraxie u.a.
Objektiv zu verstärken wäre der Befund durch eine diagnostisch gesicherte Lokalisation betreffender (gestörter) Hirnareale.
Zum "Sekundären" zählt u.a. der Zeitpunkt der eingetretenen Schädigung,
das Ausmaß der gesamten Beeinträchtigung und deren mögliche Zusatzfolgen
für die zur Beurteilung anstehende Feinmotorik.
Darüber hinaus der Allgemeinzustand des Patienten - auch der psychische,
die Motivationsebene, usw.
Die Aufzählung ließe sich fortsetzen.

 

Gingen wir nun an die Beurteilung einer feinmotorischen Störung heran
und erstellten einen Raster, der alle als primär und sekundär genannten Faktoren einzeln auflisten würde, stünde jeder Punkt isoliert zur Testung an.
Dieses Verfahren wäre im Prinzip denkbar, jedoch institutionell zeitraubend
und benötigte Spezialisten, die zum Gesamtbild einer Störung nur bedingt Zugang hätten.
Kehren wir die Vorgehweise um, und beobachten wir eine Störung ganzheitlicher, jedoch im Wissen kausaler Zusammenhänge, so besteht noch immer die Möglichkeit, spezielle Funktionen - wenn notwendig - einer isolierten Prüfung zu unterziehen.

 

Um möglichst viele unterschiedliche Funktionen in den testmäßigen Beobachtungsprozess einbeziehen zu können, ist die Testausarbeitung
so zu gestalten, dass im Aufgabenfeld entsprechend differenzierteste Beobachtungen ermöglicht werden.
Einschränkungen bestehen im Prinzip nur durch den Faktor Zeit ( = Geld!? ),
der heutzutage auch über der Rehabilitation "wie ein Damoklesschwert" zu schweben scheint.
Die wesentlichsten Funktionen sollten jedoch berücksichtigt werden.
Vier ragen dabei heraus:

Prüfe ich anhand einer konkreten Testaufgabe deren Lösungsversuch durch den Patienten, so ist als Basis die Wahrnehmung, das Greifen, das Koordinieren, sowie die Kraft gemeint.
Innerhalb dieser vier Begriffsvorgaben verbergen sich u.a. die Sensibilität (wahrnehmen), die Fingeropposition (greifen), das Verhältnis der Finger zueinander oder dasjenige von Arm und Hand (koordinieren), sowie die Entfaltung der – spastikunabhängigen - Kraft in den zu prüfenden Bereichen von Hand und Finger. Da nun nicht bei jeder Aufgabe alle Faktoren die gleiche Bedeutung haben können, muss das Angebot an Aufgaben für den Beobachtungsprozess wie bereits erwähnt - differenziert sein.
Und: Zur Beobachtung steht oft nur ein Bruchteil einer Sekunde zur Verfügung - z.B. bei einer spontanen, richtigen oder falschen Bewegungsauswahl.
Somit ist es wichtig, dass die prüfende Person die einzelnen Mechanismen gut kennt, die innerhalb einer Aufgabe zielführend sind. Pathologische Handlungen können so im Kern diagnostiziert werden.

Eine (fein-) motorische Testung ist also von einer Person vorzunehmen, die ein möglichst breites sachbezogenes Wissen besitzt.
Die Objektivierbarkeit motorischer Tests entsteht auch durch das objektive Sachwissen, das in den Prüfungsprozess einzubringen ist.
Die Position, dass Testung und Therapie zwar nicht zwangsläufig, jedoch oft von ein und derselben Person durchgeführt wird, ist bekannt. Da aber im Test bereits eine hohe Objektivität zu erreichen ist, besteht auch immer die Option, Test und Therapie personell zu trennen. Dies bedingt eine methodische Abstimmung
therapeutischer Vorgaben und Prozesse. Wo dies zutrifft, sind Test und Therapie gleichermaßen effizient.

 

 

 

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